Dieser Blog und diese Website sind fast vollständig mit KI-Unterstützung entstanden – von der technischen Umsetzung bis zum Design. Grundlage dafür waren ein paar wichtige Grundsatzentscheidungen und Prinzipen, die ich bei jedem Schritt berücksichtigt habe, um bei den vielen Möglichkeiten, die KI bietet, den Fokus nicht zu verlieren. Sie sind ein guter Leitfaden auch für andere Projekte und die Zusammenarbeit in Teams.

Drei Leitprinzipien am Anfang

Bevor ich mit der technischen Umsetzung begann, habe ich drei Prinzipien definiert, die alle nachfolgenden Entscheidungen prägen sollten. Erstens wollte ich endlich anfangen statt wieder an technischer Komplexität zu scheitern. Seit Jahren dachte ich darüber nach, einen Blog zu starten, scheiterte aber immer am zeitaufwändigen Einrichten komplexer Systeme, bedingt durch meinen technischen Spieltrieb und -anspruch. Dieses Mal sollte die Einfachheit im Vordergrund stehen – einfache Inbetriebnahme, einfache Workflows, Standardtechnologien statt exotischer Lösungen.

Zweitens war mir Minimalismus als Haltung wichtig. Der Mehrwert einer Website entsteht aus dem Inhalt selbst, nicht aus technischen Features oder visuellen Effekten. Jedes Element sollte einen klaren Zweck haben. Ich wollte mich auf das alte Internet zurückbesinnen, wo begrenzte Möglichkeiten zu fokussierten Inhalten führten. Dieses Prinzip sollte sich durch alle Ebenen ziehen – von der Technik über das Design bis zur Navigation.

Drittens – und das ist eng mit dem Minimalismus verbunden – war es wichtig, Scope und Ziele von Anfang an klar zu definieren. Ich wollte einen persönlichen Blog mit einfacher Lebenslauf-Funktion, von überall bedienbar, schnell lauffähig. Diese klare Fokussierung sollte verhindern, dass ich mich in technischen Spielereien oder zusätzlichen Möglichkeiten verliere. Das Ziel war nicht “die perfekte Website”, sondern eine lauffähige Lösung, die ich von jedem Gerät aus pflegen kann – ob Smartphone, Tablet oder Rechner. Dieser Fokus auf das Wesentliche wurde zum Filter für alle weiteren Entscheidungen.

Technische Entscheidungen

Die Wahl von Jekyll als Static Site Generator ergab sich direkt aus dem ersten Prinzip. Jekyll wird von GitHub nativ unterstützt, was die Inbetriebnahme erheblich vereinfacht. Ein fertiges Theme kam trotzdem nicht in Betracht – ich hatte bereits ein eigenes Design mit dem Farbschema “Salbei & Erde” entwickelt, das durch etwa 40-50 Iterationen mit Claude entstanden war. Hier zeigte sich bereits ein Muster: Ich wollte Standardtools verwenden, aber mit vollständiger gestalterischer Kontrolle.

Die Entscheidung, auf meinem eigenen Server bei Biohost zu hosten statt GitHub Pages zu nutzen, reflektiert mehrere Prinzipien gleichzeitig. Zum einen war mir Nachhaltigkeit wichtig – auch wenn dies komforttechnisch Kompromisse bedeutet. Zum anderen wollte ich die volle Kontrolle über das Hosting behalten. GitHub Actions übernimmt das automatische Deployment per FTP, sodass die Automation erhalten bleibt, ohne dass ich die Hoheit über die Infrastruktur aufgeben muss.

Bei der Auswahl aller weiteren technischen Komponenten – von Markdown als Contentformat über lokales Font-Hosting bis zur Plugin-Auswahl – habe ich konsequent geprüft: Ist das wirklich notwendig? Erfüllt es einen klaren Zweck? Oder füge ich es nur hinzu, weil es möglich ist? Diese Fragen haben dazu geführt, dass die Website mit minimaler technischer Komplexität auskommt.

Design als Ausdruck der Prinzipien

Das visuelle Design sollte den minimalistischen Ansatz widerspiegeln, ohne kalt oder technokratisch zu wirken. Das Farbschema “Salbei & Erde” war bereits vorhanden, musste aber konsequent umgesetzt werden. Bei jedem Design-Element – vom Floating Profile Header über die Info-Boxen bis zur Navigation – stand die Frage im Raum: Lenkt das vom Inhalt ab oder unterstützt es ihn?

Der Floating Profile Header durchlief mehrere Iterationen. Zunächst hatte ich einen klassischen Header oben, dann einen Sidebar-Bereich. Beide verwarfen wir, weil sie zu präsent waren. Die finale Lösung ist ein kleiner Floating-Bereich, der auf Kleinbildschirmen aus dem Sichtfeld verschwindet.

Die Typografie mit Playfair Display für Headlines und Inter für Body-Text bringt ein wenig altes Brauchtum in die Technologie, ohne konservativ zu sein. Wichtig war dabei, beide Schriften lokal zu hosten statt über Google Fonts einzubinden.

Workflows: Einfachheit in der Praxis

Von überall bloggen zu können war von Anfang an Teil des ersten Prinzips. Deswegen basiert alles auf einfachen Markdown-Dateien im _posts-Verzeichnis mit der Jekyll-Konvention YYYY-MM-DD-titel.md. Diese Struktur ermöglicht es mir, vom Smartphone, Tablet oder Rechner aus neue Posts anzulegen, ohne über komplizierte Workflows nachdenken zu müssen. Die Einfachheit stand hier im Vordergrund – ich wollte keine Hürden zwischen mir und dem Schreiben aufbauen und gleichzeitig kein CMS benutzen.

Während der Entwicklung entstand eine weitere Zielsetzung, die sich nahtlos in die Prinzipien einfügte: die Kategorie “Giving Back”. Häufig führen Fragen, die ich mir im Alltag stelle dazu, dass auch KI-Chats keine direkten Antworten liefern können. In solchen Fällen recherchiere ich selbst und möchte diese Ergebnisse dem Internet zurückgeben, damit andere bei ähnlichen Fragestellungen fündig werden. Diese Posts kennzeichne ich als KI-generiert, weil ich sie ohne KI-Unterstützung zeitlich nicht schreiben könnte.

KI als Werkzeug mit eigenen Lernzielen

Wenn das aus der bisherigen Beschreibung noch nicht deutlich genug herauskam: beim Bauen dieser Webseite habe ich so gut wie keine Zeile Code selbst geschrieben. Stattdessen habe ich Claude und später Claude Code verwendet, um den Code zu schreiben. Die Entwicklung mit Claude Code war dabei nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern selbst Teil eines Lernprozesses. Ich schreibe mittlerweile so gut wie nie Code mehr selbst – alleine schon bedingt durch die vielen anderen Aufgaben, die ich habe – und lasse dies vollständig durch KI übernehmen. Dabei arbeite ich ähnlich wie mit menschlichen Entwicklern: Ich mache viel Vordenken, gebe Vorgaben und setze grobe Ziele, mische mich in die Details aber nicht ein.

Diesen Ansatz auch in der Arbeit mit einer KI vollständig umzusetzen und beizubehalten ist für mich eine wichtige Anti-Mikromanagement-Übung. Es geht darum zu lernen, Ergebnisse zu akzeptieren, die gut genug sind, ohne sie bis ins kleinste Detail selbst optimieren zu müssen. Diese Übung hat hoffentlich einen positiven Einfluss auf meine Arbeit mit meinem Team.

Der rote Faden durch alle Entscheidungen

Wenn ich zurückblicke auf den gesamten Entwicklungsprozess, erkenne ich, wie konsequent die drei Anfangsprinzipien alle Entscheidungen geprägt haben. Bei der Wahl zwischen Jekyll und einem komplexeren System stand Einfachheit im Vordergrund – eine Einfachheit, die je nach Blickwinkel natürlich ihre eigene Komplexität enthält. Ein eigenes Git-Repository aufzusetzen, GitHub Actions zu konfigurieren, CSS-Styles zu bauen – selbst wenn das die KI macht, bedeutet das, dass man ein gewisses Grundverständnis mitbringen muss. Ein frei verfügbares CMS wäre hier vermutlich die einfachere Lösung gewesen, aber aus meiner Sicht ein komplexes System mit vielen Abhängigkeiten und Entscheidungen, die woanders getroffen wurden. Da ich die Kontrolle über die Website nicht aufgeben wollte und im Fokus stand, eine statische Website ohne dynamische Inhalte zu generieren, fiel die Entscheidung für Jekyll.

Die geringe Komplexität bezieht sich also auf die Entscheidungen, die ich im Rahmen des von mir gewählten Systems getroffen habe. Bei jedem Design-Element fragte ich, ob es vom Inhalt ablenkt. Bei jeder technischen Komponente prüfte ich, ob sie Daten nach außen trägt oder externe Abhängigkeiten schafft.

Diese Konsistenz war nur möglich, weil die Prinzipien von Anfang an klar waren. Sie dienten als Filter für alle Möglichkeiten, die KI und moderne Webtechnologien bieten. Statt mich in Features zu verlieren oder jede technische Spielerei auszuprobieren, konnte ich mich immer wieder fragen: Dient das den Grundprinzipien oder widerspricht es ihnen?

Das Ergebnis ist eine Website, die genau das tut, was sie tun soll: Inhalte zugänglich machen, ohne dabei vom Wesentlichen abzulenken.

Disclaimer: Auch wenn ich für das Storytelling die Wahl getroffen habe, den Fokus und die Entscheidungen in den Vordergrund zu stellen, ergibt sich ein großer Motivator, die Seite zum aktuellen Zeitpunkt endlich zu entwickeln und zu veröffentlichen, aus den explorativen Bedürfnissen meines aktuellen Jobs. Ich habe mit diesem Mini-Projekt viele Erfahrungen gesammelt, die mir beim Erarbeiten der dringend notwendigen KI-Strategien in meinem Unternehmen behilflich sein werden.